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Was sind Sektierer?

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(deutsch.llco.org)

Die meisten Liberalen halten das Kritisieren anderer Gruppen für die eigentliche Definition des Sektierertums. Diese Liberalen wollen die Einheit um jeden Preis. Liberale dieser Art denken, dass eine Gruppe, bloß weil sie die Rote Fahne schwenkt, automatisch auf der Seite der Unterdrückten steht. Weil diese Liberalen eine Einheit mit bürgerlichen und reformistischen Strömungen befürworten, werden sie letztendlich das Proletariat und die Unterdrückten entwaffnen.

Das ist nicht, was Marxisten unter Sektierertum verstehen. Marx war pausenlos der Kritik anderer Strömungen ausgesetzt, die von sich behaupteten sozialistisch zu sein. Der letzte Teil des Kommunistischen Manifests zum Beispiel ist eine Aufzählung aller unechten Sozialismen jener Zeit. Lenin begann wie Marx alle größeren Fraktionen der Zweiten Internationale aufs Heftigste zu kritisieren, als sich diese Gruppierungen dem Sozialimperialismus zuwendeten. Im Zarenreich hatte dies die Spaltung der Bolschewiki mit den Menschewiki zur Folge. Die Bolschewiki stellten sich damals gegen beinahe jede Partei der Welt, die sich marxistisch nannte. Auf ähnliche Weise löste sich Stalin von den Trotzkisten, die sozialimperialistisch geworden sind. Ebenso brach Mao mit der Mehrheit derjenigen, die sich Kommunisten nannten, als er mit dem Sozialimperialismus der Sowjetunion brach. Diejenigen, die uns heute Sektierer nennen, sind dieselben Liberalen, die einst alle großen Anführer des Proletariats so bezeichnet haben. Marxisten erstreben die Einheit nicht um jeden Preis. Marxisten stellen sich vielmehr unter das Kommando der Politik. Das bedeutet, dass sich Marxisten auf Grundlage der politischen Linie zusammenschließen, nicht auf Grundlage eines vagen Gefühls der Zusammengehörigkeit.

„Sektierertum“ bedeutet, wenn der Begriff von Marxisten verwendet wird, die Interessen der eigenen Organisation vor die Interessen des Proletariats und der Unterdrückten zu setzen. Wenn man erst den marxistischen Gebrauch des Begriffs verstanden hat, sieht man, weshalb Mao das Sektierertum und den Opportunismus als zwei Seiten derselben Münze bezeichnete. Das kommt daher, dass „sektiererisch“ oder „opportunistisch“ zu sein bedeutet, den eigenen Interessen gegenüber den Interessen des Proletariats den Vorrang zu geben. Die Kommunistische Organisation Leitendes Licht ist weit davon entfernt, sektiererisch zu sein. Wenn wir uns selber vor das Proletariat stellen würden, müssten wir unsere Klappe halten und unsere Kritik an unechten Strömungen für uns behalten. Bewegungen wie die unsrige sind das Gegenteil von sektiererisch, weil wir versuchen, die Leute auf der Grundlage der politischen Linie für uns zu gewinnen. Wir sind in der Ersten Welt alles andere als beliebt, weil wir geradezu unsektiererisch sind. Die wirklichen Sektierer sind vielmehr diejenigen Organisationen, die sich weigern, ihre Differenzen mit anderen Organisationen zu offenbaren. Diejenigen Organisationen, welche die Differenzen vertuschen, sind sektiererisch, weil sie dem Proletariat schaden, nur um Popularität und Rekruten zu gewinnen. Wenn aber das Proletariat die Revolution machen muss, dann sollte dem Proletariat wenigstens die Unterschiede zwischen den Organisationen deutlich gemacht werden. Die Sektierer sind diejenigen, die dem Proletariat nicht die Wahrheit sagen.

Wie bei allem, ist bei den Erstweltler auch hier alles durcheinander. Für den Erstweltler ist Schwarz Weiß und Weiß ist Schwarz. Sie nennen die Ausbeuter in der Ersten Welt das „Proletariat“. Und sie bezeichnen die Leitenden Lichter als „Sektierer“. Wenn die Kritiker den Vorwurf des Sektierertums gegen uns erheben, wiederholen sie damit nur den alten, liberalen Angriff auf den Marxismus, der wieder einmal seine hässliche Fratze zeigt.