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“Away With All Pests“ von Joshua S. Horn

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leap-1Prairie Fire: Buchrezension über „Away With All Pests“ von Joshua S. Horn

(llco.org)

Als westlicher Chirurg, der von 1954 bis 1969 im revolutionären China gelebt hat, ist ein Vergleich mit Norman Bethune, diesem berühmten kanadischen Arzt, der sein Leben für die Revolution hergab, unvermeidlich. Diejenigen, die Dr. Joshua S. Horn begegnet sind, verglichen ihn zu seinem Verdrießen nur zu oft mit Bethune, dem ausländischen Märtyrer, der mit einem „der drei am meisten gelesenen Artikel“ aus Mao Zedongs „Dem Volk dienen“ unsterblich gemacht worden ist. Trotz dem Widerwillen, das Lob entgegenzunehmen, ist der Vergleich gerechtfertigt. Wie Bethune verzichtete auch Horn auf viele seiner Privilegien, um seine Fähigkeiten der Kommunistischen Partei Chinas zur Verfügung zu stellen. (1) Horn verkörpert den Geist des Internationalismus und das maoistische Prinzip, dem Volk zu dienen. Das Buch von Horn „Away With All Pests“ ist ein wichtiger Bericht aus erster Hand über einige der wichtigsten sozialen Experimente sowohl in der chinesischen als auch in der ganzen Weltgeschichte. Horn erlebte den ungeheuren Durchbruch des Großen Sprungs nach vorn und der Kulturrevolution. Horn war Zeuge der Fortschritte der Gesellschaft, vor allem im Gesundheitswesen, welche durch den Maoismus ermöglicht worden sind. Sein Leben ist ein wichtiges Beispiel dafür, wie jemand aus der Ersten Welt etwas zur proletarischen Revolution beisteuern kann, auch wenn in der Ersten Welt selber kein Proletariat existiert.

Den ersten Kontakt mit China machte Horn in den 30er Jahren:

„Die Bettler. Horden von Bettlern jeglichen Alters, Gesunde und Kranke, Lärmende und Ruhige, Hoffnungsvolle und Hoffnungslose, Blinde und Sehende. Sie alle haben aber etwas gemeinsam: ihre Armut und die Erniedrigung.

Die Prostituierten. Die Schlauen in den ausländischen Konzessionen mit Make-up, in Stöckelschuhen und hautengen Kleidern, die bis zum Oberschenkel aufgeschlitzt sind. Die Billigen im Hafenviertel, ungepflegt, laut, unverschämt.

Die Kinderprostituierten. Die zwei verängstigten, verwirrten kleinen Mädchen, von ihrem Besitzer mitgeschleift, eines an jeder Hand, welcher sie einzeln oder zu zweit für 50 Cents die Stunde feilbietet.

Die Armut. Die Barackenreihen, in denen Hunderttausende leben und sterben. Die durch den Hunger aufgeblähten Bäuche. Das Rumwühlen in den Mülltonnen auf der Suche nach dem letzten Stückchen Essbarem.“ (2)

Horn schildert das Bild eines gedemütigten, geteilten und besetzten Chinas:

„Imperialismus. Shanghai, die größte Stadt eines souveränen Staates, mit Kriegsschiffen aus allen Ländern, die in ihrer Hauptschlagader ankern, ihre Matrosen streunen auf den Strassen umher nach ihrem Belieben, nach ihren eigenen Regeln. Die Stadt wurde aufgetrennt in die internationalen und französischen Konzessionen, beide genießen Exterritorialität… Die Polizeibeamten sind Ausländer und die gewöhnlichen chinesischen Polizisten unter deren Kommando tragen ausländische Uniformen. Ich ging zur englischen Bank im Hafenviertel um einen 10-Pfund-Scheck einzulösen. Ein riesiges, imposantes Gebäude mit Granitsäulen und Treppen mit Marmorstufen. Oben standen bärtige Sikhs mit Gewehren in den Händen, an denen Bajonette befestigt waren, und bewachten große Türen aus Bronze… Ein chinesischer Straßenhändler versuchte sich vorbeizuschleichen, in der Hoffnung, drinnen seine Zigaretten verkaufen zu können. Ein Sikh entdeckte ihn, hieb böswillig mit dem Gewehrkolben in seine Lenden und stieß ihn die Marmorstufen hinunter. „Entschuldigen Sie, Sir“, erklärte er, „die denken, ihnen gehört die ganze Stadt!“

Shanghai gehört ohne Frage den Chinesen, aber sie würden noch für zwölf weitere Jahre nicht davon Besitz ergreifen können.“ (3)

Als Horn wiederkam, hatten sich die Dinge geändert. Er beschreibt den Unterschied zwischen damals und seiner gegenwärtigen Zeit:

„Die Kinder. Ich kann es nicht besser beschreiben, als dass ich einen kanadischen Hotelier zitiere, der vor der Befreiung mehr als zwanzig Jahre lang in Shanghai gelebt hat und der sich 1965 während eines erneuten Besuches an den Anblick des alten Shanghais, das ihm so vertraut gewesen war, erinnerte:

‚Ich suchte nach den skorbutgesichtigen Kindern. Den läusegeplagten Kindern. Kinder mit roten, entzündeten Augen. Kinder mit blutendem Zahnfleisch. Kinder mit aufgeblähten Bäuchen und spindeldürren Armen und Beinen. Ich suchte Tag und Nacht am Straßenrand nach Kindern, die von den Bettlern vorsätzlich verunstaltet worden sind. Bettler, die sich an jeden anständig gekleideten Passanten festklammern würden, um Sympathie und Spenden zu erpressen, während sie vorgaben, die grässlich aussehenden Kinder wären ihre eigenen.

Ich hielt Ausschau nach Kindern, welche von schlimmen Wunden übersäht waren, woran sich die Fliegen labten. Ich hielt Ausschau nach Kinder beim Stuhlgang, welche auch nach größter Anstrengung nur Bandwürmer ausscheiden würden.

Ich hielt Ausschau nach Kindersklaven in Gassenmanufakturen. Kinder, welche zwölf Stunden pro Tag schufteten und wörtlich an kleine Stanzpressen gekettet waren. Kinder, welche, wenn sie einen Finger verloren oder Schlimmeres, häufig einfach rausgeschmissen wurden, auf die Straße, um zu betteln und in den Mülltonnen zu stöbern, um ihre zukünftige Existenz zu sichern.’

1965 suchte er vergebens, aber noch in den 30er Jahren hätte er nicht lange suchen müssen, da ein solcher Anblick allgegenwärtig war.“

Horn beschreibt das China unter den Kommunisten folgendermaßen:

„Die Erwachsenen sind in einer strengen Einheitlichkeit gekleidet, was mich mehrfach in Verwirrung stürzte, da ich oft nicht wusste, ob ich mit einem Koch sprach oder mit einem Professor… Die Frauen, welche schon lange unterdrückt und missachtet wurden, zeigen nun ihre neu gewonnene Freiheit durch die Würde, die sie mit jeder ihrer Bewegungen ausstrahlen…Die Kinder, voller Freude, mit überschäumender Fröhlichkeit. Man sieht in Peking selten Kinder, die streiten oder weinen und noch seltener sieht man solche, die gescholten oder geschlagen werden… Auf den Straßen herrscht eine absolute Abwesenheit von Bettlern, Landstreichern, Herumtreibern und Prostituierten. In den Läden: Festpreise, kein Aufschwatzen, äußerste Ehrlichkeit und kein Tauschhandel. Welch ein Unterschied zum Shanghai von 1937!“

Was Horn miterlebte, war das Zusammenarbeiten von einem Viertel der Weltbevölkerung, um eine neue Welt aufzubauen. Armut gab es noch immer, aber nicht so wie zuvor. China wurde nicht mehr länger gedemütigt; China hat sich erhoben, wie Mao sagte. Abermillionen von Menschen haben ihr Schicksal in die Hände der Revolution gelegt; waren bereit, die alte Ordnung zu stürzen; waren bereit, der Leitung der Kommunistischen Partei zum radikalen Wandel eines jeden Bereiches ihres Lebens zu folgen. Horn beschreibt auch den revolutionären Wandel der medizinischen Behandlung.

Im alten System hatten nur wenige Zugang zum Gesundheitswesen. Das Gesundheitswesen war größtenteils für die Wohlhabenden reserviert, für die Kapitalisten und Landbesitzer. Die große Mehrheit litt im Stillen:

„Die Armut und das Unwissen wurden durch die vollständige Abwesenheit von sanitären Einrichtungen widerspiegelt, was zu Folge hatte, dass durch Mücken und Wasser übertragene Krankheiten wie Typhus, Cholera und Ruhr der Bevölkerung einen hohen Tribut abverlangten. Praktisch jeder war von Würmern befallen, dazu lebten die unbehandelten Menschen am Rande des Hungertods, was ihre Widerstandskraft gegen Krankheiten dermaßen minderte, dass jährlich tausende Menschen von Epidemien dahingerafft wurden. Die durchschnittliche Lebenserwartung in China wurde auf 28 Jahre geschätzt. Es ist schwer an zuverlässige Gesundheitsstatistiken aus dem China vor der Befreiung zu kommen, aber konservative Schätzungen beziffern die durchschnittliche Sterberate in Friedenszeiten mit zwischen 30 und 40 pro tausend Personen und die Rate der Kindersterblichkeit mit zwischen 160 bis 170 pro tausend Lebendgeburten. Die Not der Frauen und Kinder lässt sich kaum beschreiben. Die Männer brauchten jedes Getreidekorn, das vorhanden war, um die Kraft zu haben, auf den Feldern ihre Arbeit zu verrichten. Die Frauen, vor allem diejenigen, die zuhause blieben, um nach den Kindern zu sehen, aßen bloß dünnen Brei, Blätter und Gras. Sie waren derartig mangelernährt, dass sie, wenn sie das mittlere Alter erreichten, bereits zahnlos und altersschwach waren. Viele jugendliche Mädchen, denen es an Kalzium und Vitamin D mangelte, entwickelten eine Aufweichung und ein Schrumpfen der Beckenknochen, sodass ein normales Gebären entweder unmöglich wurde oder derart gefährlich, dass sechs bis acht Prozent der Todesfälle von Frauen aufgrund des Gebärens erfolgte. Die Kleinkinder wurden drei bis vier Jahre gestillt, was ebenfalls zur Mangelernährung der Kinder führte und damit zu Krankheiten durch Vitaminmangel wie Rachitis und Skorbut. Es gab keine präventive Impfungen gegen Infektionskrankheiten und von Zeit zu Zeit wurden die ländlichen Gebiete mit verheerenden Folgen von Epidemien von Pocken, Diphtherie, Keuchhusten und Gehirnhautentzündung heimgesucht. Die Läuse gingen mit der Armut einher und damit auch die durch Läuse übertragenen Krankheiten wie das Fleckfieber. Die militärische Besetzung und die Sittenlosigkeit der Landbesitzer und des lokalen Adels verbreiteten Geschlechtskrankheiten, die nicht behandelt wurden. Das Ausmaß der Tuberkuloseerkrankungen kann durch die Tatsache abgeleitet werden, dass 1946 bei 60 Prozent aller Bewerber für ein Studentenvisum für ein Auslandstudium festgestellt wurde, dass sie an dieser Krankheit litten.“ (6)

Ebenso:

„Genauso sah ich viele alte, vernachlässigte Fälle, mit denen ich zuvor noch keine Erfahrungen gemacht hatte. Sie waren das Vermächtnis einer beinahe totalen medizinischen Vernachlässigung der arbeitenden Bevölkerung vor der Befreiung. Ich sah ausgekugelte Hüften, Ellbogen und Schultern, welche für zehn oder mehr Jahren unbehandelt geblieben waren; Knochenbrüche, die in extrem unförmigen Positionen oder überhaupt nicht zusammengewachsen sind; Gelenke, die steif geworden sind aufgrund fehlender oder schlechter Behandlung; Tuberkuloseerkrankungen der Knochen und Gelenke, denen man erlaubt hat, unbeschränkt zu wüten. Ich sah Patienten, die vor Jahren ihre Gliedmaßen verloren hatten und selber künstliche Glieder hergestellt haben, da sie keine aus einer anderen Quelle erwarten konnten. Ich sah einen Jungen, dem der Landbesitzer den Penis abgeschnitten hatte, weil dessen Vater die Pacht nicht bezahlen konnte. Ich sah ein Mädchen aus der Inneren Mongolei, welches seit seiner Kindheit weder sitzen noch hocken konnte aufgrund der Vernarbung des Gesässes durch eine Verbrennung.

In den früheren Zeiten hatten die Menschen keinerlei Aussicht auf medizinische Behandlung.“ (7)

Die Maoisten sagen, dass „die Massen die wahren Gestalter der Geschichte sind.“ Die Maoisten legen großen Wert auf die Tatkraft und den Einfallsreichtum der gewöhnlichen Leute. Die Maoisten in China entfesselten die ganze Kraft der Massen, um die Gesellschaft vollständig zu erneuern. Genauso wie die Volksbefreiungsarmee unter der Führung von Lin Biao die Volksmacht ins Zentrum rückte, so schuf Jiang Qing eine am Volk orientierte Oper. Auf ähnliche Weise wurde das Gesundheitssystem auf einer maoistischen Basis verändert. Die Macht wurde in die Hände des Volkes gegeben, um dem Volk besser zu dienen. Die Gesundheitsversorgung wurde vom Privileg zum Grundrecht erhoben.

Eine der Hauptaufgaben der Revolution war, den Zugang zum Gesundheitswesen, einst als Privileg den Reichen vorbehalten, den Armen in China, vor allem denen in den ländlichen Gebieten, zu ermöglichen. Vor der Revolution war der Zugang zu irgendeiner Form der Gesundheitsversorgung der großen Mehrheit, die in den ländlichen Gebieten Chinas lebte, beinahe einem Viertel der Weltbevölkerung, verschlossen geblieben. Der Aufbau eines Gesundheitswesens für beinahe einen Viertel der Weltbevölkerung ist wohl eine der größten Errungenschaften der Chinesischen Revolution. Im Laufe der Revolution erlangten immer mehr Menschen den Zugang zu einer immer besseren Gesundheitsversorgung. Die Lebenserwartung verdoppelte sich. Die Kindersterblichkeit wurde stark reduziert. Die Leute lebten länger und gesünder.

Ein Weg, auf dem dies erreicht wurde, war mithilfe von Gesundheitsteams. Als Teil der Bemühungen, die Unterschiede zwischen Stadt und Land abzubauen und ebenso als Teil der Bemühungen, Hilfe zu den Bedürftigen zu bringen, wurden mobile Ärzteteams organisiert und in die ländlichen Gegenden geschickt. Horn berichtet, dass zu Beginn der Revolution stets ein Drittel des Personals seines Krankenhauses in Beijing in Schichten auf dem Land als Teil eines solchen Teams eingesetzt worden ist. Diese mobilen Teams wurden in die ärmsten Gegenden geschickt, wo sie am meisten gebraucht wurden. Folglich waren die Menschen nicht gezwungen, nach Hilfe zu suchen, sie wurde stattdessen zu ihnen gebracht. Das Team, auf das sich Horn bezieht, bestand aus 80’000 Personen, welche in zwölf Volkskommunen auf dem Land beschäftigt waren. Diese Teams waren in kleinere Brigaden unterteilt. Diese Brigaden betrieben etliche kleinere Kliniken. Die Ärzte und die medizinischen Mitarbeiter wurden von diesen Kliniken aus in die örtliche Umgebung und in abgelegene Dörfer geschickt, um dort die medizinische Versorgung sicherzustellen. Verschiedenartig zusammengesetzte Gruppen wurden dorthin geschickt, wo sie am meisten benötigt wurden. Zusätzlich zu den allgemeinmedizinischen Gruppen gab es solche, die für die zahnärztliche Versorgung und für die Geburtenkontrolle zuständig waren. Einige Gruppen waren auf bestimmte Leiden spezialisiert und wurden in solche Gebiete geschickt, die von solchen Leiden betroffen waren, einschließlich den sehr abgelegenen Gebieten.

„Die meisten Dörfer können nur zu Fuß erreicht werden oder mit Eseln über steinige Wege.“ Im Gegensatz zum traditionellen Elitedenken der Mediziner, lebte das medizinische Personal für gewöhnlich entweder zusammen in Bauernhäusern oder mit den Bauern zusammen in deren Häusern in den Dörfern. Die Gesundheitsversorgung war nicht mehr länger ein Luxus. Die Ärzte und ihre Patienten lebten und arbeiteten nun Seite an Seite. (8)

Seit der Bewegung des Ländlichen Wiederaufbaus in den 30er Jahren hat die Kommunistische Partei Chinas Pionierarbeit geleistet mit dem Einsatz von Landärzten. Horn gibt uns einen Bericht aus erster Hand über die sogenannten „Barfußärzte“. Dort, wo Horn arbeitete, hielten 32 Produktionsbrigaden zusammen eine Tagung, um die Kandidaten für die medizinische Ausbildung auszuwählen. Ausgewählt wurden diejenigen Jugendlichen, die Intelligenz und ein altruistisches Wesen aufweisen konnten. Diesen Jugendlichen wurde eine Art abgekürzte Schulung in der grundlegenden Medizin geboten. Ihnen wurde ebenso eine Schulung in den am häufigsten anzutreffenden Beschwerden und Krankheiten der ländlichen Gebiete gegeben. Danach schwärmten diese Barfußärzte in die ländlichen Gebiete hinaus. Regelmäßig würden sie dann für eine gründlichere, ordentliche medizinische Ausbildung zurückkehren. Die mobilen Teams bildeten auch Sanitätspfleger und Hebammen aus, welche ebenfalls die durchschnittliche Gesundheit der Dorfgemeinschaften hoben. Die Absicht bestand nicht bloß darin, diesen Jugendlichen medizinisches Wissen zu vermitteln, sondern auch eine neue Art von sozialistisch denkenden, medizinischen Fachkräften im Dorf zu schaffen, welche eine enge Verbindung mit den Bauern eingehen und welche permanent in den ländlichen Gebieten bleiben würden. Die Bewegung der Barfußärzte ist ein Beispiel für das Vertrauen der Maoisten in die Volksmacht, dass die Menschen die wichtigsten Ressourcen sind. Die Massen besitzen ein ungeheures Potential an Kreativität, welches lediglich nutzbar gemacht und entfesselt werden muss. Wenn den Leuten eine Chance gegeben wird, können sie ihre Probleme selber lösen. Horn war ein unmittelbarer Zeuge des Erfolgs dieser Herangehensweise. (9)

Ein Weg, um die Volksmacht zu entfesseln, ist mithilfe der Massenmobilisierung. Der Maoismus legt großen Wert auf die Massenmobilisierungen, um Probleme zu lösen. Während den zwei Höhepunkten des chinesischen Sozialismus, der Große Sprung nach vorn und die Kulturrevolution, war die Macht der Massen entfesselt wie nie zuvor. Die wahre Macht der Massen kam während den Kampagnen gegen die Schistosomiasis (auch „Schneckenfieber“ genannt) zum Vorschein. Schistosomiasis ist eine der schlimmsten Plagen der Welt. Als Horn das Buch schrieb, waren 250 Millionen Menschen davon betroffen, beinahe ausschließlich Menschen aus der Dritten Welt. Noch 1955 gab es allein in China 50 Millionen Kranke. Unter den durch Parasiten übertragenen Krankheiten in den Tropen und den Subtropen rangiert es auf dem zweiten Platz nach Malaria, was die sozioökonomischen und gesundheitlichen Folgen betrifft. Noch heute sind 200 Millionen Menschen davon betroffen. Jedes Jahr sterben rund 20’000 Menschen am Schneckenfieber. 20 Millionen tragen furchtbare Konsequenzen durch die Krankheit davon. Bei geschätzten 600 Millionen weltweit besteht ein Risiko, dass sie krank werden könnten. Der Sozialismus in China erklärte dieser Geißel der Menschheit den Krieg. Um die Landbevölkerung im Kampf gegen die Schnecken, welche die Krankheit übertragen, zu mobilisieren, wandten die Maoisten die Massenlinie an:

„Das erste Konzept beruht auf der Überzeugung, dass die gewöhnlichen Leute eine große Stärke und Weisheit besitzen und dass sie, wenn ihnen unumschränkt das Steuer überlassen wird, wahre Wunder vollbringen können; dass die Kunst der Führung darin besteht, von den Massen zu lernen, ihre Erfahrungen weiterzuentwickeln und zu systematisieren und nach dieser Basis die Politik auszurichten.

Um die Landbevölkerung gegen die Schnecken zu mobilisieren, war es zuerst einmal notwendig, ihnen das Wesen dieser Krankheit zu erklären, welche sie schon so lange gepeinigt hat, und zu diesem Zweck wurden Referenten, Filmvorführungen, Poster und Radiosendungen eingesetzt. Als die Bauern begannen, das Wesen des Feindes zu verstehen, begannen sie sich selber Methoden auszudenken, um ihn zu besiegen.

Zweimal im Jahr, im März und August, begann die gesamte Bevölkerung eines jeden Bezirks, durch die freiwillige Arbeit von jedem verfügbaren Soldaten, Studenten, Lehrer und Büroangestellten ergänzt, die Flüsse und Bäche zu entwässern, ihre Ufer abzutragen und zu vergraben und dann die vergrabene Erde festzustampfen.“ (10)

Ebenso:

„Zwischen den großen Kampagnen wurden regelmäßige Antischneckenpatrouillen eingesetzt, welche in Kanus die Flüsse entlangfuhren und die Ufer nach Schnecken absuchten…Ich fragte die Anführerin eines Teams, eine junge Frau, die selber an Schistosomiasis gelitten hatte, ob sie die Arbeit langweilig fand.

‚Ja’, sagte sie, ‚es kann sehr langweilig und ermüdend werden. An heißen Tagen kriege ich Sonnenbrand und mein Kopf schmerzt. Moskitos schwirren umher, und unter den Brücken und in den dunklen Stellen, wo wir besonders sorgfältig suchen müssen, gibt es alle möglichen grässlichen Krabbeltiere. Auch die Kinder gingen uns auf die Nerven. Zuerst verstanden sie nicht, was wir machten und liefen am Ufer entlang, während sie uns auslachten und fragten, warum wir den ganzen Tag in den Booten spielten und keine richtige Arbeit leisteten wie die anderen Erwachsenen. Oft hatte ich Lust um einen Transfer in die landwirtschaftliche Arbeit zu bitten, aber dann erinnerte ich mich, wie es sich anfühlte, als ich als Kind an Schistosomiasis erkrankt war und entschied mich, die Arbeit fortzusetzen, falls nötig für eine lange Zeit. Wir forderten einige Kinder dazu auf, mit uns ins Kanu zu kommen und nachdem sie die Unannehmlichkeiten selbst miterlebt hatten, haben sie bald damit aufgehört, uns zu verspotten.’ “ (11)

Durch diese Herangehensweise, die auf die Leute fokussierte, war das Schneckenfieber schon bald fast überall in China verschwunden. Die Kommunisten erreichten eine Heilungschance von 85 bis 95% bei den betroffenen Personen. Die Krankheit wurde in fast allen Gebieten, welche zuvor auf epidemischer Stufe von ihr heimgesucht worden sind, ausgerottet. Die Kommunistische Partei verkündete, dass sie „heilen konnte, woran die Mächte von oben gescheitert sind.“ (12)

Heute ist es für die Bourgeoisie normal, die Kampagne „Ausrottung der Vier Plagen“ in China zu brüskieren. Sie zielen dabei meist auf die Große Spatzenkampagne im Großen Sprung nach vorn. Die Große Spatzenkampagne kann berechtigterweise kritisiert werden. Die Kampagne ging nach hinten los und hat gravierende Konsequenzen nach sich gezogen, weil die Leute die Rolle, die der Sperling in der Ökologie spielt, nicht ausreichend verstanden. Sperlinge fressen Schädlinge, welche Nutzpflanzen befallen. Indem die Anzahl der Sperlinge reduziert wurde, schädigte man die landwirtschaftliche Produktion. Die Große Spatzenkampagne ist ein gutes Beispiel für schlechte Planung und übersteigerten Enthusiasmus. Jedoch sollten wir das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Auf dem langen Weg zum Kommunismus werden immer wieder Fehler gemacht. Die Erwartung, dass man keine Fehler begeht, ist utopisch. Im Gegensatz zu den restlichen Schädlingsbekämpfungskampagnen war die Spatzenkampagne nicht wissenschaftlich. Es wäre falsch, die Herangehensweise, die auf die Leute fokussiert, die Massenmobilisationen, von der Hand zu weisen, weil übertrieben wurde und Fehler gemacht wurden. Das chinesische Volk profitierte stark von der Antischneckenkampagne. Mit dem Rückkehr des Kapitalismus in China kam jedoch auch die Schistosomiasis wieder. Heute ist die Krankheit wieder da: und durch den Klimawandel wird es schlimmer als je zuvor.

Weitere Innovationen brachten das Gesundheitswesen von China vorwärts. Als die Revolution im ganzen Land die Macht ergriff, gab es in China zwei Arten von Medizin: Es gab die Traditionalisten, welche über die Jahrhunderte ihr Wissen über pflanzliche Heilmittel und Volksheilkunde verfeinert haben. Ebenso gab es den moderneren Ansatz, welcher auf Naturwissenschaften und fortschrittliche Technologie basiert. Innerhalb eines Jahres nach der Befreiung wurde die Devise erhoben „alle medizinischen Fachkräfte, ob jung oder alt, ob von der traditionellen oder der westlichen Schule, zu vereinen und eine solide Einheitsfront zu organisieren, um die Entwicklung eines Gesundheitswesen des Volkes anzustreben.“ (13) Um dem Volk besser zu dienen, versuchte die Partei, den althergebrachten Antagonismus zwischen der traditionellen und der modernen Medizin zu überwinden. Die Partei erkannte, dass es dumm wäre, das traditionelle Wissen, welches über die Jahrhunderte zusammengetragen worden war, einfach unberücksichtigt zu lassen, nur weil es anders ist. Wenn die Volksheilkunde Erfolge vorzeigen kann, dann muss sie einen Wert haben. Genauso konnte man die ungeheuren Fortschritte im medizinischen Wissen aus dem Westen nicht einfach ignorieren. Stattdessen sollte man das, was in der Volksmedizin wirkt, bewahren und mit der modernen kombinieren.

Horn beschreibt eine erfolgreiche Behandlung eines Kreuzbandrisses durch die Kombination beider Methoden. Nach der westlichen Methode wird das ganze Glied mit einem Gipsverband fixiert. Diese Methode hat jedoch den Nachteil, dass mit dem Rückgang der Schwellung im Gips, das Kreuzband in einer leicht x-beinigen Position verheilen könnte.

„Die Methode, auf die wir uns schließlich einigten, kombinierte die Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin mit der modernen Praxis. Die traditionellen Ärzte glauben, dass kontrollierte Bewegungen die Heilung von gerissenem Gewebe und gebrochenen Knochen nicht behindern, im Gegenteil die Heilung sogar begünstigen. Deshalb wird das Knie weder fixiert noch wird es operiert, sondern man benutzt die Methode einer Frakturschiene, welche garantiert, dass sich keine x-beinige Verunstaltung entwickelt und welche dem Patienten erlaubt, das Knie zu trainieren, während das Kreuzband verheilt.“ (14)

Horn berichtet, dass viele solcher Ansätze zu ähnlichen Erfolgen führten.

Der maoistische Weg der Entwicklung basiert auf Klassenkampf, welcher die Massen entfesselt. Es war diese Herangehensweise, welche ein rückschrittliches, unterentwickeltes Land nahm, das zerstückelt und besetzt war von den Imperialisten, und es in einen modernen, sozialistischen Staat verwandelte, der im Bereich der Wissenschaften mit den Imperialisten konkurrieren konnte. Die Volksmacht war die Kraft, welche China erlaubte, Satelliten ins All zu schießen, die Atomkraft zu beherrschen und als Erste Insulin zu synthetisieren. Das Buch von Horn steht für die Widerlegung der Theorie der Produktivkräfte welche die Bedeutung des Klassenkampfs und der Volksmacht herunterspielt.

Der Kampf zwischen Sozialismus und Kapitalismus, zwischen Revolution und Konterrevolution, war ein Kampf um Leben und Tod. Obwohl in den 70er Jahren der Sozialismus in China besiegt worden war, ist die Erinnerung an den Sozialismus noch immer eine Inspiration. Horn war Zeuge der erstaunlichen Errungenschaften des chinesischen Volkes, des Maoismus und der Kulturrevolution. Er schreibt:

„Die Kulturrevolution ist der Höhepunkt des Ringens um die Zukunft Chinas. Im konkreten Sinne ist es auch ein Ringen um die Zukunft der Menschheit… Seit annähernd 50 Jahren hat Mao Zedong die Chinesische Revolution mit einer Brillianz angeführt, die ihn unbestreitbar als ein außergewöhnliches Genie unserer Zeit festsetzt. Ich halte die Kulturrevolution für die Krönung seiner Errungenschaften… Mit den Worten des stellvertretenden Parteivorsitzenden Lin Biao, die Verluste der Kulturrevolution waren gering, die Gewinne dafür umso größer.“ (15)

Unser Ziel ist der Kommunismus, das Ende jeglicher Unterdrückung. Es wird viele Höhen und Tiefen geben auf dem Roten Weg. Man wird Fehler machen wie in der Sowjetunion, während der sozialistischen Periode bis zur Konterrevolution in den 50er Jahren sowie in China bis zur Konterrevolution in den 70er Jahren. Wir stehen heute am Rande der nächsten großen Welle der Revolution. Horn war Zeuge der erstaunlichen Fähigkeit des Maoismus, die Welt zu verändern. Der Maoismus-Drittweltismus zeigt den Weg. Der Kommunismus des Leitenden Lichts wird uns weiter bringen.

Fußnoten:

Originaltitel: “Book review of Joshua S. Horn’s Away With All Pests” von Prairie Fire

1. Horn, Joshua S., Away with All Pests, Monthly Review Press, New York, USA: 1969. p. 34
2. Horn, ibid. pp 18-19
3. Horn, ibid. p 2
4. Horn, ibid. pp. 18-19
5. Horn, ibid. p. 31
6. Horn, ibid. p. 123
7. Horn, ibid. p. 30
8. Horn, ibid. p. 129
9. Horn, ibid. pp. 135-136
10. Horn, ibid. p. 94-97
11. Horn, ibid. p. 98
12. MSH on healthcare, NPR on barefoot doctors, Monkey Smashes Heaven, February 21, 2010
13. Horn, ibid. p. 76
14. Horn, ibid. p. 45
15. Horn, ibid. p. 178